Bericht Illbruck

Volvo Ocean Racer V.O. 60 – „Illbruck“

Das Volvo Ocean Race 2001/2001 und der Sieg der deutschen Yacht „illbruck“ ist schon beinahe Geschichte, aber die Eindrücke sind haften geblieben.

So plante ich bereits seit dem Rennen den Bau eines Modells der „illbruck“. Entsprechende Baupläne im Maßstab von 1:15 lagen lange in der Schublade. Aber die Planungen kamen nicht recht voran, andere Projekte kamen immer wieder dazwischen.

Doch da überraschte mich Anfang 2007 ein Angebot über einen GFK-Rumpf mit dazugehörigem Deck eines V.O. 60 Racers. Da der Maßstab passte, konnte ich nicht ablehnen, kurz entschlossen griff ich zu. Der Grundstein für meine „illbruck“ war gelegt, der Bau konnte beginnen.

Aber um aus diesen Teilen einen Volvo Ocean Racer mit originalgetreuen Outfit zu bauen, würden wohl umfangreiche Umbauarbeiten und Ergänzungen erforderlich werden. Doch davon später mehr.

 

Das Modell – V.O.60 Racer „Illbruck“

Die Bauunterlagen

Schon vor den Start des „Volvo Ocean Round the World“ im September 2001 hatte ich entsprechende Recherchen angestellt um an Pläne der V.O.60 Racer zu kommen. Von den acht teilnehmenden Booten stammen gleich sechs aus der Feder des bekannten Kontrukteurs Bruce Farr. Auf der Internetseite von Farr-Design wurde ich dann auch fündig und fand dort einen detaillierten Decks- und Segelplan über die konzipierten Yachten, aber leider ohne Unterwasserschiff.

Rein zufällig entdeckte ich dann wiederum im Internet einen Spantenriss der „!illbruck“. Diese Unterlagen vergrößerte ich dank moderner Kopiertechnik auf meinen gewählten Baumaßstab von 1:15. Aber war dieser Riss für ein Modell überhaupt geeignet? Ich errechnete überschlägig eine Verdrängung von knapp 5 Kg. Das erschien mir für ein Semi-Scale Modell doch reichlich wenig.

Von einem Modellbaufreund, der von meinem Vorhaben wusste, bekam ich zwei große Illbruck-Kalender mit großformatigen Abbildungen der Trainingsboote geschenkt. Hieraus konnte ich wichtige Details entnehmen.

Eine große Hilfe war auch eine von Dr. Marcus Hunold, vom Spandauer Yacht-Club e.V. herausgegebene CD-Rom mit Berichten und Fotos vom Rennen. Außerdem konnte ich beim Zieleinlauf in Kiel viele Aufnahmen von den acht teilnehmenden Yachten schießen.

 

Modellmaße:

Länge:                       1300 mm

Breite:                         350 mm

Tiefgang:                     550 mm

Masthöhe:                  1735 mm

Segelfläche:                0,98 m2

Kielgewicht:                 4,7 Kg

Gesamtgewicht:           8,1 Kg

 

 

Umbauarbeiten an Rumpf und Deck

 

Wie schon erwähnt, konnte ich einen leichten und gut gefertigten GFK-Rumpf eines deutschen Kleinserienherstellers im Maßstab 1:15 günstig erwerben. Aber nach den ersten Eindrücken würden wohl umfangreiche Umbauarbeiten erforderlich werden um daraus ein originalgetreues Modell eines Volvo Ocean Racers zu bauen.

Als Erstes verglich ich die Maße mit meinem Riss der Illbruck, dabei stellte ich fest, dass eine geringe Abweichung in der Gesamtlänge vorhanden war. Ebenfalls stellte ich Abweichungen von meinem Riss fest, was eine höhere Verdrängung zur Folge hatte. Diese Tatsache kam mir entgegen, denn ich errechnete eine Gesamtverdrängung von ca. 8 Kg.

 

Zunächst entfernte ich die im Rumpfboden befindliche Verstärkung zur Kielaufnahme und schnitt eine passende Öffnung für die Aufnahme der neuen Kieltasche aus. Die Kieltasche laminierte ich aus mehreren Lagen Carbongewebe vom Oberteil des Kielschaftes ab und klebte diese in die Öffnung des Rumpfbodens ein.

Einige Probleme bereitete mir die Anbringung des Mastfußes, da der Abstand von Mitte Mast bis zur Kieltasche sehr gering war, d.h. der Mast steht auf der Kante der Kieltasche. Da ich aber unbedingt einen verstellbaren Mastfuß einsetzen wollte, musste ich einen Kompromiss eingehen und ein Alu-Profil über die gesamte Kielaufnahme führen und vor dem Mast auf den Rumpfboden abstützen. Für diese Abstützung verwendete ich ein 8 mm Kohlefaserrohr.

Sicherheitshalber brachte ich zur seitlichen Abstützung ebenfalls zwei 8 mm Kohlefaserrohre als Traversen seitlich an den Rumpf an.

Im Gegensatz zum Rumpf war das Deck wesendlich stärker laminiert und mit 4 mm Wabengewebe auf der Unterseite verstärkt.

Die vorgesehene einteilige große Decksöffnung im Boden der Plicht gefiel mir absolut nicht. Daher verschloss ich diese mittels eingepasstem 4 mm starken selbstgefertigten Sandwich aus Kohlefaser/Balsa/Kohlefaser. Doch vorher schnitt ich zwei neue Öffnungen ein. Eine größere, um an den Elektronikteil zu gelangen und eine kleinere unmittelbar über dem Ruderkoker. Diese Öffnungen wurden ebenfalls mit Deckeln aus vorgenannten Sandwich versehen und mittels Schraubverbindung befestigt. Zur Abdichtung klebte ich eine Moosgummidichtung unter beide Deckel.

Den Ruderkoker stellte ich aus 10 mm Messingrohr her, in dem als Lager zwei Buchsen mit 4 mm Bohrungen eingepresst und verlötet wurden. Zur Stabilität fertigte ich aus kupferkaschierten Platten eine Bodenplatte und eine Kopfplatte, in die der Koker mit vier Verstrebungen eingelötet wurde. Die Kopfplatte dient zur Aufnahme des Ruderservos. Die Ansteuerung des Ruders erfolgt über ein Zahnradpaar.

Der ovalförmige Kabinenaufbau war fester Bestandteil des Decks und hatte keine Einstiegsöffnung, daher schnitt ich eine passende Öffnung hinein und setzte wie beim Original, ein Schiebeluk aus Kohlefaser darauf. Somit ist es möglich die Segelsteuerung von oben her durch das Luk einzuschrauben.

Beim Original befinden sich im Vorschiff zwei Luken zum Bergen und Setzen des Spinnackers. Daher schnitt ich ebenfalls zwei Öffnungen von 35x45mm in das Deck und klebte einen Süllrand ein.

Die beweglichen Luken fertigte ich aus 1 mm starkem Polysterol und klebte nach dem Lackieren in den Ausschnitt ein passendes getöntes Plexiglas ein. Um die Luken öffnen und schließen zu können brachte ich Scharniere aus 3 mm ABS-Röhrchen an. Gesichert werden die Luken durch eine 2 mm VA-Schraube.

Anschließend klebte ich zur Decksauflage innen an den Rumpfkanten eine Leiste aus 6 x 6 mm Kiefernholz ein.

Damit waren die Umbauarbeiten beendet und Rumpf und Deck konnten verklebt werden.

 

Unterwasseranhänge

 

Bei der Konstruktion des Kielschaftes und des Ruders wandte ich meine bewährte Sandwichbauweise an. Der Schaft besteht aus mehreren aufeinandergeleimten Schichten Balsaholz. Längs durch den Schaft habe ich zur Verstärkung ein 8/6 mm Kohlefaserrohr eingelegt und mit Epoxi-Harz vergossen. Im oberen und unteren Teil wurde eine M6 Gewindestange von 80 mm Länge mit Sekundenkleber eingeklebt. Somit kann der Kiel oben in der Kielaufnahme und unten mit der Bleibombe verschraubt werden. Anschließend wurde der Schaft entsprechend profiliert und zur Versteifung mit drei Lagen Carbongewebe überzogen.

Der 4,5 Kg Bleiballast besteht aus zwei horizontal geteilten Hälften, die mittels der M6 Gewindestange miteinander verschraubt wurden.

Vor dem Abgießen habe ich beide Halbteile mittels Balsaholzform in einer Gipsform abgeformt.. Das Blei wurde in einem ausgedienten Edelstahlkochtopf auf einem Gaskocher erhitzt und anschließend in die vorbereitete Gipsform vergossen. Doch Vorsicht, die Form muß vollständig ausgetrocknet sein, sonst kann es beim Abgießen durch Wasserdampf-Verpuffung zu Verletzungen kommen.

Der Kern des Ruderblatts wurde aus 6 mm Balsaholz mit einem Schlitz zur Aufnahme der mit einer Verdrehsicherung ausgestatteten Ruderachse aus 4 mm VA-Rundmaterial gefertigt. Anschließend wurde der Rohling profiliert und mit zwei Lagen Carbongewebe verstärkt.

 

Beschläge

 

Reelingstützen

 

Den Bug- und die Heckkörbe wurden aus 2 mm Ms-Rohr über entspreche Formstücke gebogen und anschließend weich verlötet. Zum besseren Halt habe ich die einzelnen Verbindungsstücke vor dem Verlöten mit 1mm Messingdraht gesichert.

Die Reelingstützen wurden ebenfalls aus 2 mm Messingrohr hergestellt und mit 1 mm Bohrungen für die Seildurchzüge versehen.

Damit die Stützen im Deck einen optimalen Halt haben, habe ich in das Deck 3 x 10 mm Alu-Röhrchen eingeklebt und vor dem Lackieren plan verschliffen.

 

Rettungsinseln

 

Angeregt durch den Baupraxis-Bericht, „Tiefziehen leicht gemacht“ von Klaus Paradies in der Modellwerft 08 2007 entschied ich mich die beiden Rettungsinseln im Heckbereich der Illbruck, aus Tiefziehteilen anzufertigen. Die Rettungsinseln sollten aus einem Oberteil und einem Unterteil bestehen, die nach dem Tiefziehvorgang zusammengeklebt werden sollten.

Zunächst sägte ich mit der Kreissäge die passenden Teile zur Herstellung der beiden Modelle aus. Nach dem Zusammenkleben wurden die beiden Halbmodelle verschliffen und grundiert.

Anschließend fertigte ich aus Sperrholzresten die erforderliche Tiefziehbox, und den Rahmen zur Aufnahme des Tiefziehmediums an.

Dann kam der spannende Augenblick der eigentlichen Tiefziehaktion. Die Tiefziehbox klemmte ich in die Werkbank und den Heißluftföhn in den Schraubstock. Nachdem das 0,5mm starke Polysterol erhitzt war, drückte ich den Holzrahmen auf die Form, gleichzeitig schaltete meine Frau den Staubsauger ein. Übung macht bekanntlich den Meister, nach einigen erfolglosen Versuchen klappte es doch noch und die Rohteile meiner Rettungsinseln waren fertig.

Jetzt mussten nur noch Oberteil und Unterteil zusammengeklebt werden, sowie vier Auflagetraversen aus ABS angefertigt werden, damit die Rettungsinseln in der Plicht meines Modells verschraubt werden können.

 

Steuerstände

 

Die Steuerstände wurden bei der Original Yacht wegen der hohen Belastungen recht robust und stabil konstruiert. Beide Steuerräder sind mit je fünf Doppelspeichen ausgerüstet. Das wollte ich auch bei meinem Modell berücksichtigen.

Den Radkranz bog ich aus 2 mm Messing Rohr über eine Schablone mit einem Durchmesser von 65 mm. Durch die beim Biegen erzeugte Spannung erweiterte sich der Radkranz exakt auf den erforderlichen Durchmesser von 75 mm. Die Nabe drehte ich auf der Drehmaschine aus 10 mm Messingmaterial und fügte die 1mm Bohrungen für die Speichen mittels einer Bohrschablone ein. Als Speichen verwendete ich 1 mm Messingdraht, die in die entsprechenden Bohrungen in der Radnabe und im Radkranz eingelötet wurden. Die beiden Steuersäulen fertigte ich aus 1 mm Polystrolresten. In den Säulen befinden sich Buchsen mit M2 Gewinde in der die Steuerräder eingeschraubt werden können.

Heckgerüst

Das Heckgerüst habe ich Fotovorlagen entnommen und aus 2 mm Messingröhrchen mit einer Plattform aus ABS-Resten gefertigt. Die Antennenteile drehte ich auf der Drehmaschine ebenfalls aus ABS-Rohr und Aluminiumresten und verklebte diese auf der Plattform. Aus Transportgründen wurde das Gerüst abnehmbar gestaltet.

 

Winschen und Tauwerk

 

Zur Betätigung der einzelnen Segel besitzt die original Yacht insgesamt neun Winschen, von denen acht beiderseits des Cockpits angeordnet, sowie eine Zentralwinsch die auf einem Aufbau in der Mitte der Plicht angeordnet ist. Die Anordnung und Belegung konnte ich dem sehr detaillierten Farr-Decksplan entnehmen. Für meinem Modell bestellte ich die einzelnen Winschen, sowie das originalgetreue Tauwerk bei MKP.

 

Elektronik und RC-Anlage

 

Zum Steuern des Bootes werden drei Kanäle benötigt. Damit wird das Ruderservo, die Segelwinde und das Trimmservo für die Fockschot betätigt. Segelwinde und Trimmservo habe ich direkt auf ein 10 mm Vierkant-ALU-Rohr , das die gesamte Segeleinheit trägt, geschraubt. Somit kann die komplette Elektronikeinheit durch lösen von zwei Schrauben herausgenommen werden und außerhalb des Bootes eingestellt und getestet werden.

Die Ruderanlenkung erfolgt nach bewährter Methode über ein Zahnradpaar mit einem Modul von 0,5.

Als Windenakku wurde ein 2400 mA mit NiHM-Zellen und 7,2 Volt eingesetzt, der die Regatta-Segelwinde, sowie den Empfänger und die Servos über das BEC-System mit Spannung versorgt. Der Ein-Ausschalter und die Ladebuchsen mit der Ladeanzeige sind über einen Deckel des Winschaufbaus in der Plicht zugänglich.

 

Rigg

 

Als Mast verwendete ich einen handelsüblichen schwarz eloxierten Aluminiummast von 19 mm x 1900 mm.

Beim Original bestehen die Salings aus Carbon, daher wollte ich diese bei meinem Modell ebenfalls aus Kohlefaser herstellen. Insgesamt werden 8 Salings in vier verschiedenen Längen benötigt. Das würde bedeuten, das 16 geteilte Teile in vier verschiedenen Formen laminiert werden müssten. Da mir das zu aufwendig erschien, stellte ich eine vierfach Negativ-Form für die längste benötigten Saling her. Später würde ich dann die fertigen Teile entsprechend zuschneiden.

Zunächst sägte ich aus Sperrholz mittels Kreissäge ein entsprechendes Formteil in der Länge der unteren Saling aus. Nachdem die entsprechende Profilierung herausgeschliffen war, wurde das Formteil auf eine Plexiglasplatte aufgeklebt. Fertig war die Positiv-Form und die Herstellung der Negativ-Formen im wahrsten Sinne des Wortes nur noch Formsache. Die einzelnen Formteile laminierte ich aus einer Lage Glasfasergewebe und zwei Lagen Kohlefasergewebe von 200 g/m2. Nach dem Ausformen wurden die Einzelteile zugeschnitten, verschliffen und mit Sekundenkleber verklebt. Anschließend versah ich die Rohlinge mit einem Balsaholzkern und verklebte die beiden Hälften zu einer Saling zusammen. In den Kern bohrte ich 2,5 mm Löcher zur Aufnahme der 2,5 x 1,5 mm Messingröhrchen, so dass die Salings auf die in den Mast eingeklebten Stahlstiften gesteckt werden können.

Als Wantenseil verwendete ich kunststoffummanteltes mehrfach geflochtenes Stahlseil. Die Wanten wurden mittels Niro-Laschen an den Mast verschraubt und am unteren Ende an den Wantenspannern angeschlagen. Die Wantenspanner sind Kaufteile von MKP.

Den Großbaum habe ich aus Gewichtsgründen in Leimholzbauweise hergestellt und anschließend schwarz lackiert. Den Großbaumbeschlag mit Lümmellager und Baum-Niederholer baute ich aus Kaufteilen mit selbstgefertigten Anbauteilen zusammen. Als Fockbaum verwendete ich ein 8 mm Alurohr, das ich zur Befestigung der Fock mit Laschen aus Alu-Blech versah.

Als Vorlage für den Segelschnitt verwendete ich einen Segelplan der V.O 60 der passend auf meinen Modellmaßstab vergrößert wurde. Auf Basis dieser Zeichnung stellte die Segelmacherei Latsch das Großsegel mit eingearbeiteten Taschen zur Aufnahme der Segellatten und die passende Fock her. Als Segellatten zog ich anschließend 1 mm starke Kohlefaserstäbe in die Taschen des Großsegels ein. Als Segelstoff wählte ich ein Mylar-Gewebe mit eingewebten Dyneema -Fäden. Dieses Material ist zwar etwas stärker und schwerer, kommt aber optisch den Originalsegeln der Volvo Ocean Racer sehr nahe.

Finish

Da mein Modell in den original Farben der Illbruck-Challenge lackiert werden sollte und meine bescheidenen Kenntnisse in der Lackiertechnik nicht ausreichen würden um den Weiß-Grün-Effekt hinzubekommen, gab ich die Arbeiten bei einen Autolackierer, der schon mehrfach für Modellbaukollegen hervorragende Arbeiten abgeliefert hatte, in Auftrag. Als Vorlage diente ein Poster der Original-Illbruck.

Die Aufkleber ließ ich ebenfalls bei einem professionellen Werbe-Beschrifter anfertigen.

Auf dem Wasser

An einem sonnigem Sonntagmorgen im September war es soweit, meine „illbruck“ sollte zum erstemal mit dem nassen Element in Berührung kommen. Modell, Transportkarre und Fotoausrüstung waren schnell im Kombi verstaut und los ging es zum heimischen Modellsee. Leider wehte nur ein leichtes Lüftchen und auch noch aus Südwest, das bedeutete an unserer Steganlage war mal wieder wegen der Abschirmung durch hohe Bäume ein richtiges Windloch. Sei es drum, das Modell musste ins Wasser, wenn auch nur um die Wasserlinie zu testen und das geht bei wenig Wind bekanntlich am besten. Meine Frau und ich warteten erst einmal ab und tranken zur Entspannung eine Tasse vom mitgebrachten Kaffee. Die ersten Zuschauer trafen auch schon ein. Schau mal da hat einer die Illbruck nachgebaut, die hat doch den Admirals Cup gewonnen, schönes Boot, selber gebaut?, waren die ersten „Fach-Kommentare“.

Nun kam der spannende Augenblick, Sender und Bootselektronik waren eingeschaltet, die letzten Handgriffe am Schiff beendet und nun vorsichtig ab ins Wasser. Ich war beruhigt. Tiefgang und Wasserlage stimmten, aber immer noch kein Wind. Doch plötzlich kräuselte sich die Seeoberfläche und die erhoffte Brise war da. Langsam nahm das Modell Fahrt auf und zog mit den ersten Schlägen langsam zur Seemitte hin. Am Nachmittag frischte der Wind zusehends auf, da musste die „illbruck dann zeigen, was in Ihr steckte.

Nur in stärkeren Böen war ein plötzliches anluven zu beobachten, am Wind verhielt sich das Modell kursstabil und neutral. Bei harten am Wind Manövern krängte mein Modell beachtlich und das Wasser spülte über das Vorschiff. Dabei zeigte sich eine unschöne Eigenschaft: der Bug neigte zur Unterschneidung und das Heck hob sich an. Da muss wohl noch einiges gemacht werden.

Die vorderen Luken haben zwar einen Süllrand, aber keine extra Dichtung. Ob das wohl gut geht dachte ich und holte mein Modell nach zwei Stunden zur Kontrolle aus dem Wasser. Es war nicht gut gegangen, die Luken waren undicht und Wasser war ins Boot eingedrungen. Nicht dramatisch, aber immerhin war für heute Schluss mit dem Segeln. Da sich der Wind sehr launisch verhielt und immer wieder drehte, und in Böen stark auffrischte, war an ein optimales Segeln an diesem Tag sowieso nicht zu mehr denken.

Aber immerhin hatte ich die ersten Fotos von meiner „illbruck“ im Kasten.

Der nächste Test fand dann eine Woche später bei Leichtwindbedingungen statt. Die beiden Luken hatte ich nun mit einer Moosgummidichtung versehen. Um das Anheben des Hecks bei Unterschneidung zu verringern hatte ich den Akku von mittschiffs nach Achtern verschoben. Diese Maßnahme machte sich bezahlt, das Boot lag zwar mit dem Heck etwas tiefer im Wasser, aber die Unterschneidungen hielten sich in Grenzen. Nun war ich mit den Segeleigenschaften doch sehr zufrieden. Aber es gibt immer noch etwas zu verbessern. Ich bin mal gespannt wie sich die „illbruck“ bei wirklichem Starkwind verhält.

 

 

Heinz Schmalenstroth im November 2007

 

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